Am 29. Juni 2026 durfte das Abtei-Gymnasium Brauweiler einen besonderen Gast begrüßen: Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Mitglied des Vorstands der Synagogen-Gemeinde Köln, war im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu Besuch an unserer Schule. Moderiert wurde die Veranstaltung von den Schülern Maximilian Reinbote und Simon Rubbert.
Zu Beginn eröffnete unser Schulleiter Herr Meiners die Veranstaltung und betonte die Bedeutung des Besuchs. Demokratiebildung und gesellschaftliches Engagement haben am Abtei-Gymnasium einen hohen Stellenwert – unter anderem durch Formate wie Jugend debattiert sowie zahlreiche Projekte zur Erinnerungskultur und als Schule ohne Rassismus mit Courage. Der Austausch mit Abraham Lehrer fügte sich daher in besonderer Weise in das Profil unserer Schule ein.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie jüdisches Leben in Deutschland heute aussieht und welchen Beitrag jede und jeder Einzelne zu einem respektvollen Miteinander leisten kann. Abraham Lehrer erklärte, dass es ihm ein persönliches Anliegen sei, mit möglichst vielen Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.
Im Laufe der Diskussion berichtete er von seiner eigenen Familiengeschichte. Nach seiner Geburt in New York zog seine Familie – ursprünglich mit den Niederlanden als Ziel – nach Köln. Obwohl jüdisches Leben in Deutschland nach dem Holocaust lange als kaum vorstellbar galt, blieb die Familie. Gleichzeitig schilderte Lehrer, dass die Identifikation mit Deutschland nicht immer einfach gewesen sei, er sich jedoch stets als Kölner verstanden habe.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Erinnerungskultur. Auf die Frage, wie das Gedenken auch in Zukunft lebendig gehalten werden könne, verwies Abraham Lehrer auf neue Möglichkeiten wie interaktive Hologramme von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie die Arbeit von Zeitzeugenvereinen. Entscheidend sei jedoch vor allem das eigene Handeln. Besonders eindrucksvoll appellierte er an die Schülerinnen und Schüler:
„Habt Zivilcourage und macht den Mund auf – es kostet euch nicht euer Leben.“
Als wirksamsten Weg gegen Vorurteile bezeichnete er die persönliche Begegnung. Projekte wie „Meet a Jew“ ermöglichten einen direkten Austausch und trügen dazu bei, gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Auch aktuelle Herausforderungen wurden angesprochen. Abraham Lehrer machte deutlich, dass antisemitische Einstellungen häufig im Elternhaus geprägt und durch soziale Medien verstärkt würden. Umso wichtiger seien Offenheit, Dialog und der Mut, auch im Alltag Haltung zu zeigen. Zum Abschluss richtete er einen eindringlichen Appell an alle Anwesenden:
„Lasst es nicht zu.“
Die Podiumsdiskussion hinterließ bei den Teilnehmernn viele Denkanstöße und machte deutlich, wie wichtig persönliche Begegnungen und der Einsatz für Demokratie, Menschenwürde und ein respektvolles Miteinander sind.
Als Schulgemeinschaft sind wir Abraham Lehrer sehr dankbar, dass er sich die Zeit genommen hat, unsere Schule zu besuchen und mit uns ins Gespräch zu kommen. Ein herzlicher Dank gilt außerdem den Moderatoren Maximilian Reinbote und Simon Rubbert, der Technik-AG, Harm Meiners und allen Gästen sowie insbesondere Britta Gelb, die den Besuch mit großem Engagement organisiert und damit diese bereichernde Veranstaltung ermöglicht hat.
Lisa Wand