Am Mittwoch dem 2.09.2026 fand in der Abtei-Kirche St. Nikolaus der ökumenische Einschulungsgottesdienst für das AGB statt. Pfarrer Peter Cryan leitete durch den Gottesdienst.
Inhaltlich Vorbereitet wurde dieser durch die katholische Religionslehrerin Christina Vogt. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der ehemaligen 5er Klassen hieß sie die neuen Schülerinnen und Schüler am AGB herzlich willkommen. Zum Thema „Gemeinsam unterwegs“ wurde der Gottesdienst durch Lehrerinnen und Lehrern des AGB musikalisch begleitet. Der Gottesdienst war sehr gut besucht. Viele der 120 neuen Schülerinnen und Schüler hatten mit ihren Familien am Gottesdienst teilgenommen. Besonderen Anklang fand am Ende das Angebot der Einzelsegnungen.
Predigt zum ökumenischen Gottesdienst von Gunnar Heuschkel:
Liebe Gemeinde, liebe Eltern, Großeltern, Geschwister, liebe Kolleginnen und Kollegen, und vor allem: Ihr lieben Schülerinnen und Schüler unserer neuen fünften Klassen am Abtei Gymnasium!
Wenn ich heute hier vorne stehe und in eure Gesichter blicke, dann sehe ich ein wunderbares Bild. Ich sehe eine Mischung aus großer Vorfreude, riesiger Neugier und ganz sicher auch ein bisschen Herzklopfen und Aufregung im Bauch. Das ist völlig verständlich und geht im Grunde jedem so, der heute in dieser Kirche sitzt – sogar euren neuen Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern! Denn heute beginnt für euch alle ein komplett neuer Lebensabschnitt, weil ihr auf das Abtei Gymnasium wechselt und eure vertraute Umgebung verlassen habt.
Ihr macht euch heute gemeinsam auf den Weg und werdet dann auch schon ein paar Jahre bei uns am Abtei Gymnasiums gemeinsam unterwegs sein. Und wer an das Unterwegs-Sein denkt, der denkt meistens an eine große Reise oder eine schöne Wanderung, ähnlich, wie ihr sie vielleicht gerade in den Sommerferien unternommen habt und für die man dann einen Rucksack packt.
Eure Schulranzen und Rucksäcke sind heute voll mit neuen Dingen: da sind dicke Bücher, neue Hefte, Geodreiecke, vielleicht ein schickes neues Mäppchen und der Schulplaner. Aber für den Weg, der jetzt vor euch liegt, habt ihr noch ganz andere Dinge im Gepäck – Dinge, die man nicht anfassen kann, die nicht schwer auf den Schultern lasten, die aber für eure Reise viel wichtiger sind als alles andere.
Wir haben gerade in der Lesung von einer der ältesten und berühmtesten Reisegeschichten der Welt gehört: die Geschichte von Abraham und seiner Frau Sara. Gott sprach zu ihnen: „Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Familie! Geh in das Land, das ich dir zeigen werde.“
Stellt euch das mal vor: Gott sagt ihnen nicht, wie dieses Land aussieht. Er schickt ihnen keinen Google-Maps-Link, er zeigt ihnen keine Fotos auf Instagram und er sagt ihnen nicht einmal, wie lange die Reise dauert. Er sagt nur: Geh los in einen völlig unbekannten Raum. Abraham und Sara hatten ganz sicher genauso viel Herzklopfen wie ihr heute. Aber sie vertrauten auf Gottes großes Versprechen: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“
Genau wie Abraham und Sara brecht ihr heute auf. Ihr verlasst eure vertraute Grundschule und betretet ein unbekanntes Land und die ersten Wegweiser für diesen neuen gemeinsamen Weg, habt ihr gerade schon gesehen. Lasst uns gemeinsam schauen, was euch auf diesem Weg erwartet.
1. Der erste Wegweise: Neues entdecken
Der erste Meilenstein auf eurer Reise heißt: Neues entdecken. Das Gymnasium ist wie dieses unbekannte Land, von dem Gott zu Abraham gesprochen hat. Bis vor wenigen Wochen wart ihr an euren Grundschulen noch die „Großen“. Ihr wart die Viertklässler, die das Sagen hatten, die jede Ecke des Schulhofs kannten und genau wussten, wie die Uhren und Lehrerinnen und Lehrer ticken. Ab heute seid ihr wieder die Jüngsten. Alles ist plötzlich eine Nummer größer: das Schulgebäude hat mehr Stockwerke, es gibt viel mehr Räume, die Gänge sind voll und die Anzahl der Lehrkräfte ist größer. Man kann sich in den ersten Tagen in unseren vier Türmen wunderbar verlaufen!
Aber das ist kein Grund zur Sorge, sondern ein echtes Abenteuer. Ihr werdet Fächer entdecken, die ihr vielleicht noch gar nicht kennt. Ihr werdet in Biologie die Geheimnisse der Natur erforschen, im Geschichtsunterricht wie Zeitreisende in die Vergangenheit eintauchen, im Physik- oder Chemieraum Experimente machen und ihr werdet ganz neue Fremdsprachen lernen. Ihr werdet lernen, tiefer zu forschen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Gott hat uns Menschen die Neugier geschenkt, damit wir dieses unbekannte Land Schritt für Schritt entdecken. Habt keine Angst vor der Größe des neuen Weges. Freut euch auf jedes einzelne Geheimnis, das ihr ab heute lüften dürft.
2. Der Wegweiser: Zusammen lachen
Ein ganz wichtiger und unverzichtbarer Begleiter auf diesem Weg wird das gemeinsame Lachen sein. Die Reise von Abraham und Sara war lang und bestimmt oft anstrengend. Auch das Gymnasium wird euch natürlich herausfordern. Es wird Tage geben, an denen das Lernen anstrengend ist, an denen ihr über Aufgaben sitzt oder in denen die erste große Klassenarbeitsphase ansteht.
Genau dann ist das Lachen der beste Treibstoff, den ihr haben könnt. Wenn man gemeinsam in den Pausen Witze macht, über kleine Missgeschicke im Unterricht schmunzeln kann und merkt, dass man die Dinge nicht immer so ernst nehmen muss, wird der schwerste Schulalltag plötzlich federleicht. Ein gemeinsames Lachen bricht dann leicht das Eis. Wenn ihr am Anfang noch schüchtern nebeneinander in der Bank sitzt und noch nicht wisst, was ihr sagen sollt – ein geteilter Lacher verbindet sofort. In der Bibel steht, dass Gott die Fröhlichkeit liebt. Die Freude ist eine Kraft, die uns von innen heraus stärkt. Eine Klasse, die viel lernt, ist gut. Aber eine Klasse, die gemeinsam lachen kann, hält zusammen wie Pech und Schwefel.
3. Der Wegweiser: Eigene Stärken zeigen
Gott sagte zu Abraham: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ Ein Segen sein – was bedeutet das eigentlich für euch am Gymnasium? Es bedeutet, dass ihr eure ganz eigenen Stärken zeigt. Jeder Junge und jedes Mädchen, die heute hier in den Kirchenbänken sitzen, bringt eine ganz einzigartige Kombination aus Begabungen mit. Gott hat keinen von uns als Kopie geschaffen. Ihr alle seid Originale, ihr seid einzigartig!
Die eine ist vielleicht ein absolutes Ass in Mathematik und begreift Zahlen sofort. Der andere kann fantastisch zeichnen oder drückt sich in Texten wunderbar kreativ aus. Jemand drittes ist sportlich kaum einzuholen.
Aber wisst ihr was?
Die wichtigsten Stärken stehen oft gar nicht auf dem Zeugnis und sind auch mit keiner Schulnote bezifferbar.
Eine große Stärke ist es auch, wenn man unglaublich gut zuhören kann. Wenn man ein Auge dafür hat, ob es dem Sitznachbarn gerade schlecht geht. Wenn man Konflikte friedlich schlichten kann oder sich mutig für Gerechtigkeit einsetzt, wenn jemand ungerecht behandelt wird.
Indem ihr eure Stärken auf eurem gemeinsamen Weg nutzt, werdet ihr zu einem Segen für eure ganze Klasse und unsere Schule. Wenn der eine in Englisch stark ist und der andere in Mathe, dann könnt ihr euch gegenseitig unterstützen. Wenn wir alle unsere unterschiedlichen Stärken zusammenwerfen, werdet ihr als Gemeinschaft auf euren gemeinsamen Weg unschlagbar und ein Segen für andere sein.
4. Der Wegweiser: Neue Freunde finden
Das absolut Schönste am Unterwegs-Sein ist jedoch, dass niemand diesen Weg alleine gehen muss. Abraham ist nicht allein losgezogen. Er hatte Sara an seiner Seite, seine Familie und viele Wegbegleiter. Sie waren ein Team für den Neuanfang. Und genau so ist es heute bei euch: Ihr geht diesen Weg gemeinsam.
Ihr werdet in den nächsten Tagen und Wochen wunderbare neue Freunde finden. Vielleicht sitzen heute ein paar bekannte Gesichter aus eurer alten Grundschulklasse neben euch. Das ist schön und gibt Sicherheit. Aber die allermeisten um euch herum sind heute noch Fremde. Ihr schaut euch an und wisst noch gar nicht, wer der andere eigentlich ist. Aber vergesst eines nicht: Den anderen in eurer Klasse geht es in diesem Moment ganz genau wie euch. Alle haben dieselben Fragen im Kopf. Ihr seid alle im selben Boot.
In den nächsten Wochen werdet ihr durch die Kennenlerntage, durch gemeinsame Ausflüge und den täglichen Unterricht immer fester zusammenwachsen. Ihr werdet Freunde finden, mit denen ihr euch in der Mittagspause verabredet, und vor allem Freunde, die euch trösten und in den Arm nehmen, wenn mal eine Note nicht so ausfällt, wie ihr euch das erhofft habt. Wahre Freundschaften machen Erfolge doppelt so schön und sie teilen die Sorgen, damit sie leichter werden.
Gott geht mit
Liebe Schülerinnen und Schüler, ihr seid ab heute auf einem neuen, spannenden, gemeinsamen Weg in einen unbekannten Raum. Ihr werdet Neues entdecken, zusammen lachen, eure Stärken zeigen und tolle neue Freunde finden. Das ist ein großer Schritt. Aber ihr müsst ihn nicht mit Angst oder Sorge gehen. Denn das Versprechen, das Gott damals Abraham gegeben hat, gilt heute punktgenau für euch und allen Menschen: Ich bin mit dir und ich will dich segnen.
Gott geht mit euch durch die großen Schultore des Abtei Gymnasiums. Er sitzt neben euch in der Schulbank, wenn die Köpfe rauchen. Er ist auf dem Pausenhof dabei und er legt seine schützende Hand über euch.
Auch für Sie, liebe Eltern, ist dies heute ein Tag des Übergangs, ein Aufbruch in ein neues Land. Das Loslassen wird ab heute ein Stück weit größer. Ihre Kinder werden selbstständiger, sie müssen ihre Aufgaben eigenverantwortlicher organisieren. Das kostet manchmal Mut und Vertrauen. Vertrauen Sie darauf, dass Ihre Kinder die innere Stärke besitzen, diesen neuen Weg erfolgreich zu meistern. Begleiten Sie sie weiterhin mit Ihrer unerschütterlichen Liebe, fangen Sie sie auf, wenn es mal ruckelt, und seien Sie stolz auf die Schritte, die sie ab heute tun.
Ich wünsche euch allen von ganzem Herzen einen großartigen, unvergesslichen Start am Abtei Gymnasium, eine wunderbare Klassengemeinschaft, verständnisvolle Lehrkräfte und eine Schulzeit, an die ihr euch später im Leben immer mit einem großen, glücklichen Lächeln zurückerinnert.
Folgt den Wegweisern, macht euch auf den gemeinsamen Weg – getrost, neugierig, behütet und reich gesegnet.
In Jesu Namen. Amen.