Dieses Zitat vermag zunächst auf Unverständnis zu stoßen: Warum einen offenen Streit eingehen? Gibt der Klügere bekanntermaßen nicht nach und ist im Vorteil, Streitereien gänzlich zu vermeiden?
Nicht ganz, zumindest nicht im Sinne der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Gemeint ist hier nicht die lautstarke, verletzende Streiterei, sondern die sachliche Auseinandersetzung: das Debattieren. Gefährlich ist demnach nicht der Diskurs, sondern das Ausweichen vor ihm.
Diese Frage nach dem Wert von Debattenkultur ist heute, mehr als ein Jahrhundert später, aktueller denn je. Der Umgang mit Populismus und die zunehmende Ablehnung, sich mit anderen Perspektiven auseinanderzusetzen, bereiten vielen Sorge. Umso bedeutender sind Formate wie Jugend debattiert, die dieser Entwicklung aktiv entgegenwirken. Das Projekt gilt als größtes Demokratiebildungsprogramm für Jugendliche in Europa. In Deutschland nehmen jährlich über 220.000 Schülerinnen und Schüler teil, in Nordrhein-Westfalen rund 75.000.
Auch wir als Abteigymnasium sind bei Jugend debattiert stets präsent und führten bereits die Schulqualifikation und das Schulfinale durch. Die beiden Gewinnerinnen der Sekundarstufe 1, Liv Döding und Marie Laurent, sowie Johannes Munk und Jakob Bünnagel für die Sekundarstufe 2 durften am 9. Februar unsere Schule anlässlich der stattfindenden Regionalrunde, der Zusammenkunft aller Schulsieger aus der Region Köln 3, vertreten.
Während in der Qualifikationsrunde Liv und Marie über die Frage nach einer Verpflichtung zum Abschluss einer Tierkrankenversicherung für Haustierhalter sowie über die Frage nach einer Verpflichtung zur insektenfreundlichen Gestaltung von Privatgärten debattierten, durften sich Johannes und Jakob mit der Frage nach einer Kontaktgebühr für Arztbesuche sowie mit der Frage nach einem Verbot von Veröffentlichungen von Wahlumfragen im Vorfeld von Wahlen auseinandersetzen. Hierbei zeichneten sich alle Debattanten durch ein hohes Maß an Sachkenntnis, Gesprächsfähigkeit, Überzeugungskraft und Ausdrucksvermögen aus und wurden vielfach für ihre Leistungen gelobt.
Trotz eines starken Konkurrenzfeldes konnten sich Liv für die Sekundarstufe 1 und Jakob für die Sekundarstufe 2 besonders hervorheben, wobei Johannes und Marie jeweils nur minimal mit einer leichten Punktabweichung einen sehr starken fünften Platz erreichten und damit leider nicht im Finale vertreten waren.
Im Finale der Sekundarstufe 1 durfte nun ein bereits länger bekanntes, aber dennoch sehr aktuelles Thema, vor allem für Schülerinnen und Schüler, debattiert werden: Sollen für schriftliche Prüfungen in der Oberstufe Anwendungen mit künstlicher Intelligenz als Hilfsmittel zugelassen werden? Liv, welche die Position Contra 2 bekleidete, stellte mehrfach die Frage nach dem Verlust notwendiger Kernkompetenzen in den Vordergrund und konnte sich durch eine sehr souveräne und inhaltlich außergewöhnliche Leistung auszeichnen und verdientermaßen den 1. Platz belegen und vertritt somit das Abteigymnasium in der Landesqualifikation.
In der Frage über ein Verbot von „Kaufe jetzt, zahle später“-Bezahlmodellen nannte Jakob mehrfach das Verschleierungsrisiko sowie das Verschuldungs- und Überschuldungsrisiko, vor allem für jüngere Menschen. Er zeichnete sich durch ein hohes Maß an Sachkenntnis und rhetorischer Fähigkeit aus und erreichte letztendlich einen sehr starken dritten Platz und bleibt der Landesqualifikation als möglicher Nachrücker erhalten.
Jakob erklärte dazu: „Es hat mir sehr viel Spaß bereitet. Ich freue mich, jetzt auch als Reservekandidat dabei zu sein, selbst wenn man zwischendurch nur zuhören muss. Zu Beginn war ich sehr aufgeregt, aber in der Debatte entwickelt sich das, und am Ende fühlt man sich deutlich sicherer.“
Liv sagte: „Ich habe schon mehrfach teilgenommen und merke trotzdem jedes Mal, dass ich mich weiterentwickeln kann. Ich freue mich sehr, dabei zu sein.“
Die nächste Runde findet am 25.03. an der Universität in Bochum statt. Wir drücken allen Teilnehmenden fest die Daumen.
Zum Schluss gilt ein besonderer Dank nicht nur den Debattantinnen und Debattanten, sondern auch allen weiteren angereisten Teilnehmern, Kilian, Lili und Aurelia, sowie insbesondere den Schulkoordinatoren Herrn Backherms und Frau Gelb. Ihr Engagement ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass unsere Schule so viele starke und überzeugende Debattierende hervorbringt.
Und so schließt sich der Kreis zum Anfangszitat: Nicht das Streiten ist zu fürchten, sondern das Schweigen. In diesem Sinne: viel Erfolg für Bochum!
Maximilian Reinbothe, Britta Gelb