Neue Ausstellung im A-Turm

Im Kunst-Leistungskurs der Q1 stand in diesem Halbjahr die praktische Hausarbeit auf dem Programm. Ausgangspunkt war das berühmte Gemälde „Der Balkon“ des französischen Malers Édouard Manet aus dem Jahr 1868/69.

Die Aufgabe lautete: Was sehen die Personen auf dem Balkon? Die Schülerinnen und Schüler sollten ein malerisches Gegenbild entwickeln – also eine Szene darstellen, die sich auf der anderen Seite des Balkons befinden könnte.

Dabei ging es nicht nur um eine inhaltliche Idee, sondern auch um eine bewusste Auseinandersetzung mit der Bildsprache Manets. Die entstandenen Werke sollten zentrale gestalterische Aspekte des Originals – etwa den Eindruck einer Momentaufnahme, die Komposition oder die Blickrichtung – aufgreifen und gleichzeitig eine eigene Bildidee entwickeln. Die Interpretation durfte ernst, humorvoll oder auch provokant sein.

Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig die möglichen Antworten auf die Frage nach dem Blick vom Balkon sein können. Einige Bilder zeigen gesellschaftliche Szenen wie Pferderennen oder Straßenfeste, andere eröffnen idyllische Landschaften mit Seen, Flüssen oder Parkanlagen. Wieder
andere Arbeiten greifen dramatische oder überraschende Momente auf – etwa eine Straßenszene mit Flugshow, eine tägliche Situation auf einem Balkon oder eine dunkle, geheimnisvolle Stadtansicht bei Nacht. Auch farblich und stilistisch unterscheiden sich die Werke stark: von hellen, freundlichen
Naturdarstellungen bis hin zu kontrastreichen, expressiven Kompositionen.

Die ausgestellten Arbeiten machen deutlich, wie kreativ und individuell sich die Schülerinnen und Schüler mit einem kunsthistorischen Werk auseinandergesetzt haben. Gleichzeitig zeigen sie, wie spannend es sein kann, ein bekanntes Bild weiterzudenken und aus einer neuen Perspektive zu
betrachten.

Die Ergebnisse des Projekts sind derzeit in der Schule im A-Turm, rund um das Lehrerzimmer ausgestellt und laden dazu ein, selbst einen Blick „vom Balkon“ zu wagen – und sich zu fragen: Was könnte dort draußen passieren?

Ulrike Clyburn