Ein ganzes Schuljahr lang hat sich die Klasse 10D intensiv mit einem dunklen Kapitel unserer regionalen Geschichte auseinandergesetzt. Was als Projekt im Kulturunterricht begann, mündet nun in einer feierlichen Ausstellung in der LVR-Gedenkstätte Brauweiler. Ein Rückblick auf ein intensives Jahr voller Kreativität, harter Arbeit und wichtiger Erkenntnisse.

Seit Beginn des Schuljahres hieß es für uns, die Klasse 10D, Ärmel hochkrempeln. Zusammen mit unserer Lehrerin Frau Gelb und unserem Lehrer Herrn Hartz haben wir uns im Kulturunterricht einem besonderen Projekt gewidmet: der Aufarbeitung des Nationalsozialismus, direkt hier in Brauweiler.

Das große Ziel vor Augen: Eine eigene Ausstellung in der LVR-Gedenkstätte Brauweiler.

Während der NS-Zeit war das Gelände des heutigen LVRs ein Gebäudekomplex aus verschiedenen Anstalten, die als Arbeitserziehungslager dienten. Menschen, die nicht den damaligen Vorstellungen des Regimes entsprachen, wurden hier gedemütigt, gefoltert und eingesperrt. 

Schon bei unserer ersten Führung, zu Beginn des Schuljahres, hinterließ der Ort bleibenden Eindruck bei uns. Wenn man durch die kalten Gänge geht und die originalen Räumlichkeiten sieht, wird Geschichte plötzlich verdammt real. Es ist eben etwas völlig anderes, als das Thema nur im Unterricht zu behandeln.

Wie nähert man sich so einem schweren Thema an? Frau Gelb und Herr Hartz ließen uns völlig freie Hand. Aufgeteilt in verschiedene Kleingruppen durften wir unsere eigenen kreativen Ideen und Herangehensweisen entwickeln. Parallel dazu haben wir uns Biografien einzelner Betroffenen durchgelesen und aufgearbeitet. Jeder zeichnete in der ersten Arbeitsphase ein fotorealistisches Portrait einer von uns gewählten Person. In der zweiten Arbeitsphase ging es darum, die möglichen Gedanken und Gefühle der Menschen, während des Nationalsozialismus, symbolisch darzustellen. 

Der Prozess der kreativen Projekte war ein echtes Auf und Ab.

Jede Gruppe fand ihren eigenen Weg: Die einen drückten ihre Gefühle durch kreative 3D-Modelle aus, andere bauten die Anstalten von damals nach, oder stellten die Unterschiede von Vergangenheit zur Gegenwart heraus.

Die Ergebnisse unserer Arbeit sind so vielfältig, wie unsere Klasse selbst. In der Ausstellung erwarten die Besucher unter anderem:

  • Eine lebensgroße Figur eines Teenagers, dargestellt zur Hälfte in der damaligen Zeit und zur anderen Hälfte in der heutigen Zeit.
  • Ein Schaukasten mit kleinen Miniatur-Figuren von damals und darunter der Kontrast von heute.
  • Ein 3D-Model vom größten Teil Brauweilers, beleuchtet und durch verschiedene Farben erklärt und musikalisch untermalt.

Wenn wir auf dieses Schuljahr zurückblicken, sind wir vor allem stolz, aber auch nachdenklich. Warum macht man sich so viel Arbeit? Die Antwort lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Bewusstsein!

Es reicht nicht zu wissen, dass der Nationalsozialismus existierte. Wir müssen verstehen, dass dieses unmenschliche Handeln direkt vor unserer Haustür passiert ist, in Straßen, durch die wir heute jeden Tag zur Schule laufen. Uns war es wichtig, den Opfern von damals ein Gesicht zu geben und die Erinnerung an sie wachzuhalten. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, wachsam zu sein, Flagge gegen Ausgrenzung zu zeigen und zu lernen, wohin Hass führen kann.

Ab sofort können Sie unsere Ausstellung von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 11 Uhr bis 17 Uhr in der Gedenkstätte Brauweiler besuchen. 

Wir freuen uns auf Sie!

Franka Figge, Lili Broel, Elsa Collin, Clara Lippert

Britta Gelb und Thomas Hartz