Schulleiterbrief Mai 2021

Brauweiler, den 12.05.2021

Liebe Mitglieder der Schulgemeinde,

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Eltern,
liebe Kolleginnen und Kollegen.

Das Schuljahr geht bereits in die Zielgerade und wir schöpfen gerade Hoffnung, dass die Pandemie ebenfalls in der letzten schweren Phase ist. Seit kurzem sind die Inzidenzwerte im Rhein-Erft-Kreis erstmals wieder herunter gegangen, der Bundestrend und die umliegenden Städte und Kreise sind bereits deutlich positiver. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, so ist ein Wechselunterricht nach Pfingsten denkbar. Diese Entscheidung trifft allerdings nicht die einzelne Schule, sondern sie wird vom Gesundheitsministerium (MAGS) getroffen. Ob es in diesem Schuljahr noch einmal zu vollem Präsenz-Unterricht kommen wird, ist derzeit noch unklar.

Aus diesem Grund schreiben wir derzeit nur in der Jahrgangsstufe Q1 regulär Klausuren nach Klausurplan. In den Klassen 5-EF erproben wir vielfältige alternative Formate der schriftlichen Leistungserbringung. Es wird aber auch zentrale Termine geben, an denen wir Klassenarbeiten nach Gruppen getrennt schreiben werden.

Wir sind als Schule sehr gespannt, wie sich insbesondere die alternativen Formate bewähren werden: neben dem großen Digitalisierungsschub können auch durch diese Erfahrungen für die Zukunft gute Veränderungen aus der Pandemie erwachsen. Es ist vielleicht jetzt der Zeitpunkt, optimistisch in die Zukunft zu blicken und das Positive zu erkennen, was uns in Zukunft begleiten und beflügeln kann!

Alle Lehrkräfte haben begeistert und beruhigt das Impfangebot des Landes angenommen, bis zu den Sommerferien werden wir hoffentlich vollständig geimpft sein. Ich bin hoffnungsvoll und zuversichtlich, dass auch alle Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren bis zum Wiederbeginn des Unterrichts am 18.08.2021 zumindest eine erste Impfung erhalten haben.

Aber noch liegen einige schwere Wochen vor uns:

  • Wir werden noch viel Distanz-Unterricht haben.
  • Wir werden im Präsenz-Unterricht weiterhin medizinische Masken tragen müssen.
  • Wir werden auf jeden Fall noch bis zum Sommer an die Testpflicht gebunden sein.
  • Wir werden uns weiterhin an Abstands- und Hygieneregeln halten müssen.

Das heißt, dass die so wichtige Begegnung untereinander von Schülerinnen und Schülern und das Miteinander mit den Lehrkräften weiterhin stark eingeschränkt sein wird.

Wir haben eine klare Priorisierung in unserem gesamten Handeln:

An erster Stelle steht der Gesundheitsschutz. Damit meine ich einerseits natürlich den naheliegenden Infektionsschutz mit allen zu treffenden Maßnahmen. Aber gleich wichtig ist der Gesundheitsschutz in Hinblick auf das psychische Wohlergehen.

Erst an zweiter Stelle steht das, was Schule eigentlich ausmacht: Bildung und Erziehung. Das ist für uns schmerzlich und für alle Lehrkräfte sehr belastend, aber wir geben unser Bestes, in schwierigen Zeiten dennoch unserer Aufgabe gerecht zu werden.

Die Dauer der Pandemie und die Einzigartigkeit der Situation, für die niemand der heute Lebenden auf Erfahrungen zurückgreifen kann, machen es unmöglich, auf Routinen zurückzugreifen. Jeden Tag sind wir aufs Neue gefordert, unser Leben zu organisieren, Wege zu finden, auf Wichtiges und lieb Gewonnenes zu verzichten. Wir müssen andere Wege der Begegnung und Kommunikation beschreiten, die Motivation zu Hause am Schreibtisch, vor dem Bildschirm ist so schwer aufrecht zu erhalten. Wir freuen uns über die vielen, die das dennoch hinbekommen, die in den letzten 14 Monaten viel gelernt haben, Kompetenzen entwickelt und Leistung erbracht haben. Uns ist aber sehr bewusst, dass das eine ganz besondere Leistung ist und keineswegs selbstverständlich!

Liebe Schülerinnen und Schüler,

wir freuen uns so sehr darauf, euch hoffentlich bald wieder richtig begegnen zu können!

Die Begegnung, die Kommunikation, das Miteinander erfordert die ganze Person.
Person, das ist der ganze, der einzigartige Mensch. Das Wort Person hat seinen etymologischen Ursprung (vermutlich) im Wort πρόσωπον (prosopon) (gr.) – Antlitz, das, was man sehen kann. Ich habe selbst seit Beginn des Schuljahres 60 Schülerinnen und Schüler im Unterricht, von denen ich einen Teil noch nie ohne Maske gesehen habe!
Natürlich müssen wir in der Schule zum jetzigen Zeitpunkt noch alle Vorkehrungen zum Infektionsschutz treffen, aber eine Ansteckungsgefahr über das Internet ist mir nicht bekannt.
Ohne sich zu sehen kann keine echte Begegnung stattfinden.
Ohne sich zu sehen ist die Unterrichtsqualität massiv beeinträchtigt.

Bitte: schaltet, so irgend möglich, die Kameras im Distanzlernen ein!

Wenn man sich sehen kann,

  • ist die Konzentrationsfähigkeit eine ganz andere,
  • findet ein Miteinander statt,
  • kann am Gesicht, am Antlitz des Anderen die Person erkennen,
  • kann Verständnis und Unverständnis, Belustigung, Angst, Langeweile, Interesse sehen.

Liebe Eltern,

Sie haben in den letzten Monaten Großartiges geleistet! Die Vereinbarung der Anforderungen, die auf einmal gestellt werden, Sorgen um Angehörige, Eltern, den eigenen Beruf, Gesundheit und Kinder, die den ganzen Tag zu Hause sind, sind ebenfalls beispiellos. Dafür möchte ich Ihnen meinen großen Respekt und meine Dankbarkeit aussprechen.

Ich habe aber auch noch einige Bitten und Hinweise:

Bitte sorgen Sie dafür, dass, wenn irgend möglich, eine Teilnahme am Distanzunterricht mit Kamera möglich wird. Mir ist klar, dass hierzu technische Voraussetzungen und eine hinreichend gute Internetanbindung erforderlich sind. Vielleicht kann man sich in einer Familie auch manchmal abwechseln und priorisieren, wer den Laptop mit der Kamera verwendet und wer am PC ohne sitzt. Erläutern Sie Ihren Kindern bitte diese Hintergründe und besprechen Sie mit diesen auch die besondere Verantwortung im Umgang mit den Persönlichkeitsrechten anderer: es ist selbstverständlich untersagt, ungefragt Bilder von anderen aufzunehmen oder gar zu verbreiten.
Ebenfalls sind parallele Chats in anderen Räumen während des Unterrichts genauso verboten wie im normalen Präsenz-Unterricht. Dies gilt umso mehr, wenn dort andere beleidigt oder gemobbt werden. Bitte sprechen Sie auch hierüber nochmals mit Ihren Kindern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Auf der Zielgerade des Schuljahres, nach dem Elternsprechtag, müssen wir gemeinsam ehrlich und offen darüber sprechen, wie welche Schulkarriere optimal fortgesetzt werden kann. Nehmen Sie hierzu bitte Kontakt zunächst zu Fach- und Klassenlehrerinnen und -lehrern auf. Wir arbeiten intensiv an Konzepten zum Defizit-Ausgleich im nächsten Schuljahr und sind uns dessen sehr bewusst, dass hier eine große und wichtige Aufgabe auf uns alle in der Schulgemeinschaft zukommt. Aber Lösungen lassen sich nur individuell und gemeinsam finden.

Ich wünsche euch und Ihnen allen ein erholsames langes Wochenende.

Martin Sina

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